Fernschreiben und Fernkopieren

Fernschreiben

Weil bei der Telegrafie speziell ausgebildetes Personal benötigt wurde, um die Codes in lesbaren Text zu übersetzen, suchte man nach Techniken, die Nachrichten direkt im Empfangsgerät alphabetisch aufzuzeichnen. Dazu meldete Alexander Bain (1811–1877) im Jahr 1843 den „automatischen Kopiertelegraphen” als Patent an, bei dem auf der Senderseite ein Pendel mit elektrischem Kontakt über metallische Drucklettern glitt und die elektrischen Signale aus Kontakt und Nicht-Kontakt an das Empfangsgerät sendete. Dort strich ebenfalls ein Pendel über ein chemisch behandeltes Papier und zeichnete das Schriftbild der Sendenachricht auf. Der Durchbruch gelang jedoch erst David Edward Hughes (1831–1900) mit seinem Typendrucktelegrafen, der die übertragenden Zeichen direkt auf einen Papierstreifen abdruckte. In einem nächsten Schritt sollte die Zahl der übermittelten Zeichen pro Zeiteinheit erhöht werden. Dafür kombinierte man in den 1890er Jahre Hughes’ Typendrucktelegrafen mit der neu hervorgebrachten Typentastmaschine. In den USA wurde 1915 die erste Fernschreibmaschine gebaut, die bis zu 396 Zeichen pro Minute übertragen hat. Zusätzlich konnte eine Nachricht nicht nur von einem Sender zu einem Empfänger übertragen werden, sondern gleich zu mehreren Empfängern. Der Fernschreiber verdrängte den Morsetelegrafen allmählich, das Telex (Teleprinter Exchange) nahm den Platz der Telegrafie ein.

Fernkopieren

Schon recht bald, noch vor der Mitte des 19. Jahrhunderts, wollte man nicht nur Nachrichten als Buchstaben und Ziffern übertragen, sondern als Schriftbild. Die sogenannten Faksimile-Schreiber übertragen das Schriftbild oder ein Foto als originalgetreue Reproduktion. Schon 1848 entwickelte Frederick C. Bakewell (1800–1869) den „elektrischen Telegraphen”, mit dem es ihm gelang, Hand- und Druckschriften, Bilder und Zeichnungen zu telegrafieren. 1878 erfand Constantin Senlecq (1842–1934) ein Gerät, bei dem eine dünne Platte aus Weicheisen, wie eine Membran beim Telefon, angeregt durch die elektrische Spannung zur Vibration gebracht wurde. Mit der Weicheisenplatte war ein Graphit-Stift verbunden, der Linien auf Papier zeichnete. Arthur Korn (1870–1945) entwickelte einen Fotokopierer, bei dem im Sender Licht auf ein Filmnegativ und auf die dahinterliegende Selenzelle traf. Die Signale wurden zum Empfänger gesendet, in dem das Abbild auf einen Fotofilm gebracht wurde.

Während diese analoge Übertragung von Grauwerten aufwendig, störanfällig und relativ langsam vonstatten ging, war das digitale Fernkopieren (Telefax), das erst seit 1979 möglich war, durch Übertragung über das Telefonnetz zuverlässiger und schneller.

vgl. Domschke, Jan-Peter: Ströme verbinden die Welt. Telegraphie – Telefonie – Telekommunikation. Stuttgart/Leipzig 1997 (= Einblicke in die Wissenschaft); Abramson, Albert: Die Geschichte des Fernsehens. Mit einem Nachwort des Herausgebers zur Geschichte des Fernsehens von 1942 bis heute. München 2002, S. 1-10.

 

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