Elektrische Telegrafie

Biografischer Kontext

Jean Maurice Emil Baudot, 1845 als Sohn eines Dorfschuhmachers in Magneux geboren, trat 1870 als Supernumeraire in die Verwaltung der französischen Telegrafenlinien ein. Als Autodidakt erwarb er sich eine umfassende Allgemeinbildung und fundierte technische Kenntnisse. Als er den Mehrfachtelegrafen von Bernhard Meyer kennenlernte, setzte er sich zum Ziel, dessen Vorteil der besseren Leitungsausnutzung mit dem arbeitssparenden Typendruckverfahren zu kombinieren. Nach einem gründlichen Studium der bis dahin vorgeschlagenen Telegrafensysteme konnte er 1874 seine Lösung zum Patent anmelden: „synchron umlaufende Verteiler, Verwendung eines fünfstelligen Binärcode, der von Hand als Parallel-Code eingegeben, seriell abgefragt, übertragen und im Empfangsgerät zur mechanischen Decodierung wieder als Parallel-Code gespeichert wird“.

Funktionsweise

Baudot war der erste, der einen fünfstelligen Binärcode (mit Umschaltung von Buchstaben auf Ziffern und umgekehrt) in die Telegrafie einführte („Fünferalphabet“, „Baudotalphabet“). Die Fünferkombinationen wurden in einfachster Weise mit einem Fünftastensender gegeben. Daher musste der Beamte das Baudotfünferalphabet auswendig lernen. Nur vereinzelt hatte man das Fünferklavier durch eine Schreibmaschinenklaviatur ersetzt. Es konnten nur drei Zeichen pro Sektor und Sekunde übertragen werden.

Der Apparat arbeitete gewöhnlich mit 180 Umdrehungen/Minute. Man verwendete 2-, 3-, 4- und 6-fach-Apparate, wobei der 4-fach-Apparat als Normaltyp galt. In dem Fall konnten im Durchschnitt in jeder Richtung 360 Zeichen/Minuten befördert werden. Diese Ausnützung wurde aber selten ganz erreicht, weil bei der Handgebung nicht alle Umdrehungen zur Übermittlung ausgenützt werden konnten.  

Zu seinen Ehren wurde 1926 für die Telegrafiergeschwindigkeit international die Bezeichung Baud eingeführt.

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